Wie eine Doktorarbeit aufgebaut sein sollte

Aufbau einer Doktorarbeit: A wie Abstract bis Z wie zuletzt

Im Grunde genommen unterscheidet sich der Aufbau der Doktorarbeit nicht vom Aufbau jeder anderen wissenschaftlichen Arbeit. Außer in einem einzigen Punkt: Eine Doktorarbeit ist natürlich deutlich umfangreicher. Dazu kommt, dass die Doktorarbeit in der Regel auch veröffentlicht werden muss. In vielen Fachbereichen geschieht das in Form einer Monographie, in anderen Fachbereichen sind auch kumulative (also gemeinsame) Veröffentlichungen erlaubt.

Neun Bestandteile mit festgelegter Reihenfolge

Die Doktorarbeit hat einen strengen formalen Aufbau, der sich aus neun Teilen in fester Reihenfolge zusammensetzt:
Diese Reihenfolge ist fest und gilt für alle Fachbereiche. Sie ist unabhängig davon, ob Sie eine kumulative oder monographische Veröffentlichung vornehmen. Aber wie genau gehen Sie jetzt an die Doktorarbeit heran? Die Doktorarbeit wird auch als Dissertation bezeichnet. Sie führt zum höchstmöglichen Bildungsabschluss, dem Doktorgrad. In manchen Kreisen spricht in diesem Zusammenhang auch von einer Diss, einer Promotionsschrift, von einer Inauguraldissertation, einer Dissertationsschrift oder ähnliches. Neben der Veröffentlichung der Doktorarbeit müssen Sie eine mündliche Prüfung ablegen, die als Rigorosem bezeichnet wird. Manche Fachbereich verlangen stattdessen eine mündliche Verteidigung, Disputation genannt.

Was ist eine kumulative Dissertation?

Die kumulative Dissertation finden Sie meist in den Naturwissenschaften. Die Sammeldissertation oder kumulative Dissertation wird nicht als in sich geschlossene Monographie veröffentlicht. Stattdessen werden mehrere Veröffentlichungen zusammengefasst. Diese Veröffentlichungen werden in Fachzeitschriften publiziert. Die Fachartikel (meist sind es drei) werden auf ihre wissenschaftliche Qualität hin überprüft.

Wer darf überhaupt eine Doktorarbeit schreiben?

Jeder und jede, die ein abgeschlossenes Hochschulstudium (Master, Magister, Diplom oder Staatsexamen) vorweisen können, dürfen eine Dissertation schreiben. In einigen Fachgebieten ist das nur mit dem Erreichen einer Mindestnote erlaubt, in anderen Studienbereichen ist es üblich oder möglich, in einem anderen Fachgebiet zu promovieren. Wer eine Doktorarbeit schreiben will, sollte sich im Vorfeld kundig machen. Die Dozenten und Dozentinnen an den Hochschulen und Universitäten wissen sehr genau, wie vorzugehen ist, welche Möglichkeiten es gibt und so weiter. Wenn Sie sich für eine Promotion entschieden haben, stellen Sie beim Dekanat einen Antrag auf Promotion.
Schon jetzt müssen Sie sich über den Aufbau einer Doktorarbeit Gedanken gemacht haben, denn Sie müssen im Rahmen Ihres Antrags Ihr Forschungsthema kurz vorstellen und einen möglichen Betreuer oder eine mögliche Betreuerin nennen. Finden Sie keine geeignete Betreuung, kann die Hochschule oder Universität helfen. Es ist in einigen Fällen auch möglich, ohne Betreuung zu promovieren. Ob sich der Aufwand einer Promotion lohnt, ist wieder eine andere Fragen. Der Trend geht dahin, dass immer mehr Menschen in Deutschland promovieren. Etwa sieben von hundert Studierenden beginnen mit dem Schreiben einer Doktorarbeit. Natürlich schließen nicht alle dieses Vorhaben ab. Etwa ein Drittel der Promovierenden kommt aus den Naturwissenschaften und der Mathematik, ein Fünftel aus den Ingenieurwissenschaften.
Abhängig vom fachlichen Umfeld und vom Berufswunsch kann die Promotion den Weg für eine schnelle Karriere ebnen und als Schlüssel für hohe Positionen dienen. Vor allem im Bereich der Medizin, der Chemie und im Ingenieurwesen ist der Doktortitel oft Voraussetzung für eine Position mit Personalverantwortung.

Doktorarbeit drucken lassen:

Wichtig schon in der Planungsphase: Ein realistischer Zeitplan

Ist der grobe Aufbau der Doktorarbeit klar, das Thema nicht nur gefunden, sondern auch vom Dekanat bestätigt, benötigen Sie einen Zeitplan. Eine Doktorarbeit ist nicht in einem Monat geschrieben. Die meisten Menschen sitzen vier bis fünf Jahre an der Doktorarbeit. In dieser Zeit kann viel passieren: Von Familiengründungen und neuen Freunden über finanzielle Unwägbarkeiten bis hin zu Krankheitsfällen kann alles Mögliche passieren.

Mehr als 80 % der Promovierenden müssen nebenher arbeiten, denn von irgendwoher muss der Lebensunterhalt kommen. Probanden für Studien müssen gefunden werden, Schreibblockaden bekämpft werden. Stellen Sie den Zeitplan Leiber etwas großzügiger auf und freuen Sie sich, wenn Sie irgendwo ein bisschen Luft haben. Denn wenn Sie sich nicht an den Zeitplan halten können, werden Sie vermutlich in Panik ausbrechen, was der Fertigstellung Ihrer Doktorarbeit nicht zuträglich ist.

Aufbau einer Doktorarbeit: Mehr als Einleitung, Hauptteil, Schluss

Während Bachelor-, Master- und Magisterarbeit noch recht einfach daherkamen, wird die Doktorarbeit richtig umfangreich. Die durchdachte Struktur ist wichtig. Allerdings sollten Sie nicht zu viel Struktur von Anfang an festlegen, denn erfahrungsgemäß verändert sich Ihr Konzept im Laufe der vielen Monate, die Sie an der Doktorarbeit sitzen. Von Anfang viele und eher kurze Unterkapitel einzuplanen ist also nicht unbedingt eine gute Idee. Sollten Sie im Verlauf der Arbeit feststellen, dass eine feinere Einteilung der Kapitel nötig ist, können Sie den gesamten Aufbau Ihrer Doktorarbeit noch einmal überarbeiten. Sorgen Sie dafür, dass der rote Faden erhalten bleibt. Und genau aus diesem Grund sollten Sie auch nicht zu viele Unterkapitel einplanen: Sie verzetteln sich dann schnell, weichen zu weit von der Leitfrage ab und verwirren Leser und Leserinnen.

Aufbau, dann Abstract

Der Begriff Abstract kommt aus dem Englischen und meint eine sehr, sehr knappe Zusammenfassung der Doktorarbeit. Im Abstrakt werden Ziel und Sinn der Arbeit zusammengefasst. Sollten Sie sich im Laufe der Arbeit immer mal wieder verzetteln und zu sehr in Details verlieren, kann Ihnen das Abstract zurück "in die Spur" helfen.

Ohne Perfektionismus geht es nicht

In einer Doktorarbeit werden zwar eigene Forschungsergebnisse präsentiert, aber niemand erfindet darin den Buchdruck ganz neu. Heißt konkret: Sie müssen lesen, lesen, lesen, lesen. Sie werten Studien aus, die andere angestellt haben. Sie vergleichen Studien und Analysen. Sie lesen die Bewertungen von Studien durch dritte und vierte Parteien und analysieren diese dann selbst. Geben Sie immer, immer, immer Ihre Quellen an! Das ist wichtig! Ohne Perfektionismus geht es hier nicht, denn schnell sind Plagiate unbeabsichtigt passiert. Indirekte Zitate dürfen in einer Doktorarbeit nicht vorkommen. Im Aufbau der Doktorarbeit kommt der Punkt "Quellenverzeichnis" vor - das Quellenverzeichnis kann schon bei einer Bachelorarbeit mehrere Seiten umfassen, bei einer Doktorarbeit ist es umso umfangreicher.

Aufbau noch unsicher? Graduiertenkolleg kann helfen.

Im Graduiertenkolleg forschen Promovierende gemeinsam an einem Projekt. Hier werden wichtige Kontakte geknüpft, Netzwerke aufgebaut, Fachkonferenzen besucht. Im Graduiertenkolleg begleitet jeder jeden und jede. Man ist sich also gegenseitig Betreuer/-in. Meist ist das Graduiertenkolleg nur grob in einem Projekt zusammengestellt - de facto bearbeitet jeder Teilnehmer und jede Teilnehmerin das eigene Projekt. Da es aber Berührungspunkte gibt, kannmal auch teilweise zusammenarbeiten. Und natürlich verbindet alle die große Leitfrage.
Ist Ihnen der Aufbau Ihrer Doktorarbeit noch nicht ganz geheuer oder erscheint er Ihnen im Verlauf des Schreibens immer unsinniger, halten Sie Rücksprache mit Ihren Betreuern und Betreuerinnen. Sie werden wertvolle Tipps erhalten, neue Denkmuster kennenlernen und Ihre bisherige Arbeit von einem anderen Standpunkt aus kennenlernen. Es kann sein, dass Sie den Aufbau Ihrer Doktorarbeit danach noch einmal komplett umwerfen - und auch das gehört zum Prozess und muss anfangs beim Aufbau des Zeitplans berücksichtigt werden.

Fazit: Aufbau der Doktorarbeit ist fluide trotz strikter Vorschriften

Die oben genannten formalen Punkte sind natürlich erst einmal fest. Daran können Sie nichts ändern. Wie genau Sie aber zwischen Einleitung, Hauptteil und Schluss vorgehen, wie Sie die verschiedenen Punkte Ihres Hauptteils organisieren und den Leser oder die Leserin durch den Text leiten, bleibt Ihnen überlassen. Und natürlich dürfen Sie den inhaltlichen Aufbau Ihrer Doktorarbeit auch im Rahmen des Schreibprozesses noch ein paarmal anpassen.